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Arbeitsrecht 8 min

In der Probezeit kündigen Pflege: Rechte, Fristen & nächste Schritte

Jannick Oberbeck

Jannick Oberbeck

Head of Recruiting · 500+ Vermittlungen

Du hast erst vor kurzem angefangen — und merkst schon: Das hier ist nicht die Stelle, die dir versprochen wurde. Das Team ist toxisch, die Einarbeitung existiert nicht, oder du wurdest schlicht angelogen. Jetzt fragst du dich: Kann ich in der Probezeit einfach kündigen? Kurze Antwort: Ja. 7 Tage Frist, keine Begründung nötig. Aber es gibt einiges zu beachten — und eine deutlich bessere Strategie als einfach hinzuwerfen.

Du bist nicht allein: Rund 15% aller Pflegefachpersonen in der Schweiz verlassen ihre neue Stelle noch während der Probezeit. Das ist kein Versagen — manchmal passt es einfach nicht. Wichtig ist, wie du jetzt vorgehst.

Probezeit in der Pflege — die Fakten

Art. 335b OR regelt die Probezeit in der Schweiz klar und eindeutig. Das musst du wissen:

Dauer: Gesetzlich 1 Monat, kann vertraglich auf maximal 3 Monate verlängert werden. Die meisten Spitäler und Spitex-Organisationen setzen 3 Monate an.
Kündigungsfrist: 7 Kalendertage — nicht Arbeitstage. Du kannst also Montag kündigen und bist den übernächsten Montag raus.
Kein Endtermin nötig: Anders als nach der Probezeit kannst du auf jeden beliebigen Tag kündigen — nicht nur auf Monatsende.
Keine Begründung: Du musst keinen Grund angeben. Weder schriftlich noch mündlich. "Es passt nicht" reicht völlig.
Achtung GAV: Einige Gesamtarbeitsverträge (z.B. in kantonalen Spitälern) können abweichende Regelungen enthalten. Prüfe deinen Vertrag.

5 Warnsignale: Wann du in der Probezeit kündigen solltest

Es gibt einen Unterschied zwischen normaler Anfangsunsicherheit und echten Red Flags. Diese 5 Signale zeigen dir, dass es nicht an dir liegt:

1Toxisches Teamklima

Lästern über Kolleginnen, Mobbing, Grüppchenbildung, offene Feindseligkeit. Wenn du in den ersten Wochen schon merkst, dass das Team kaputtist, wird sich das nicht durch deine Anwesenheit ändern. Toxische Kultur frisst gute Mitarbeitende zum Frühstück.

2Falsche Versprechungen im Vorstellungsgespräch

Dir wurde ein bestimmtes Pensum zugesagt, flexible Dienstplanung, ein bestimmtes Team, Weiterbildungsmöglichkeiten — und nichts davon stimmt. Wenn der Arbeitgeber schon beim Einstieg lügt, was kommt dann erst nach der Probezeit?

3Systematische Überlastung ab Tag 1

Personalmangel der nicht temporär ist, sondern strukturell. Du arbeitest regelmässig 2-3 Stunden über deine Schicht hinaus, Pausen fallen aus, die Patientensicherheit ist gefährdet. Das ist kein Einarbeitungseffekt — das ist ein kaputtes System.

4Keine Einarbeitung

Du wirst ab Tag 1 wie eine fertige Kraft eingesetzt, ohne Einarbeitungskonzept, ohne Ansprechperson, ohne Feedback. Gute Arbeitgeber investieren in neue Mitarbeitende. Wer das nicht tut, zeigt dir damit wie wenig du ihnen wert bist.

5Dein Bauchgefühl schreit

Du liegst Sonntagabend wach und denkst an Montag. Du fährst mit Übelkeit zur Arbeit. Du spürst: Das ist falsch. Vertrau diesem Gefühl. Du hast genug Berufserfahrung um zu wissen, wann etwas nicht stimmt. Und in der Probezeit sind die Kosten eines Wechsels am niedrigsten.

Du erkennst dich in einem dieser Punkte?

Dann lass uns reden — vertraulich, unverbindlich. Wir können dir innerhalb von 2 Wochen eine bessere Stelle zeigen. Dein aktueller Arbeitgeber erfährt nichts.

Wann du NICHT sofort kündigen solltest

Nicht jede Unsicherheit in den ersten Wochen ist ein Kündigungsgrund. Manchmal braucht es einfach Zeit:

Normale Anfangsunsicherheit: Neue Abläufe, neue Namen, neues Dokumentationssystem — das braucht 4-8 Wochen bis es sitzt. Wenn dein Team nett ist und du grundsätzlich gut aufgenommen wirst, gib dir diese Zeit.

Lernkurve bei fachlichen Anforderungen: Wenn du z.B. von der Langzeitpflege in die Akutpflege wechselst, ist es normal, dass du dich am Anfang überfordert fühlst. Das ist Wachstum, nicht Versagen.

Einzelne schlechte Tage: Jeder hat sie. Ein schwieriger Dienst, eine stressige Woche — das ist noch kein Muster. Erst wenn sich das Muster über Wochen zeigt, solltest du handeln.

Heimweh nach dem alten Team: Es ist menschlich, das alte Team zu vermissen. Aber gib dem neuen eine faire Chance. Beziehungen brauchen Zeit.

Faustregel: Wenn die Probleme strukturell sind (Personalmangel, Führungsversagen, toxische Kultur), wird sich nichts ändern. Wenn sie persönlich sind (Eingewöhnung, Lernkurve), gib dir 6-8 Wochen.

So kündigst du richtig in der Probezeit

Wenn du dich entschieden hast: So machst du es professionell und rechtssicher.

1. Immer schriftlich kündigen

Mündliche Kündigungen sind zwar gültig, aber schwer beweisbar. Schreib einen kurzen, sachlichen Brief.

2. Per Einschreiben versenden

Die Kündigung muss dem Arbeitgeber innert Frist zugehen — nicht nur abgeschickt werden. Bei Einschreiben gilt der Tag der Zustellung. Alternativ: persönlich abgeben und Empfangsbestätigung unterschreiben lassen.

3. Datum korrekt berechnen

Die 7-Tage-Frist beginnt am Tag nach Zustellung. Beispiel: Brief kommt Dienstag an → letzter Arbeitstag ist der folgende Dienstag.

4. Einfache Formulierung reicht

"Hiermit kündige ich mein Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der 7-tägigen Kündigungsfrist während der Probezeit per [Datum]. Ich bitte um eine schriftliche Bestätigung."

5. Professionell bleiben

Kein Nachtreten, keine Vorwürfe. Die Pflegewelt in der Schweiz ist klein. Du wirst diesen Menschen wieder begegnen.

Die bessere Alternative: Erst neue Stelle sichern

Hier kommt der wichtigste Rat in diesem Artikel: Kündige nicht ins Leere. Die 7-Tage-Frist gibt dir zwar maximale Flexibilität — aber eine nahtlose Anschlusslösung ist immer besser als eine Lücke im Lebenslauf.

Mit einem spezialisierten Vermittler wie heroscout ist das auch in der kurzen Probezeitfrist möglich:

  • Woche 1: Du meldest dich bei uns. Wir besprechen vertraulich deine Situation, deine Wünsche, dein Wunschpensum.
  • Woche 1-2: Wir zeigen dir passende Stellen aus unserem Netzwerk von 350+ Institutionen. Viele davon sind nirgends ausgeschrieben.
  • Woche 2-3: Vorstellungsgespräche, Vertrag. Erst wenn deine neue Stelle steht, kündigst du die alte.

In der Probezeit ist die Hemmschwelle für einen Wechsel am niedrigsten. Nutze das. Du hast keine lange Kündigungsfrist, du hast noch keine tiefen Bindungen aufgebaut, und du kannst ehrlich sagen: "Es hat nicht gepasst — und ich habe schnell reagiert." Das zeigt Entscheidungsstärke, nicht Sprunghaftigkeit.

Was du im Lebenslauf mit der kurzen Anstellung machst

Die grosse Angst: Sieht eine 2-Monats-Stelle im Lebenslauf schlecht aus? Die ehrliche Antwort:

  • Einmal ist kein Muster. Eine kurze Anstellung unter vielen längeren fällt kaum auf. Arbeitgeber verstehen, dass es manchmal nicht passt.
  • Du kannst sie weglassen. Wenn die Anstellung weniger als 3 Monate dauert und du nahtlos weiterwechselst, kannst du sie im CV weglassen. Kein Arbeitgeber fragt nach 2 Monaten Lücke.
  • Ehrlichkeit schlägt Vertuschung. Wenn du danach gefragt wirst, sag einfach: "Die Rahmenbedingungen entsprachen nicht dem was besprochen wurde. Ich habe schnell gehandelt." Punkt. Keine Nachfragen nötig.
  • Ein Vermittler hilft. Wir bei heroscout kennen die Arbeitgeber persönlich und können deine Situation im Kontext erklären — bevor du überhaupt zum Gespräch eingeladen wirst.

Häufige Fragen zur Kündigung in der Probezeit

Kann mein Arbeitgeber mir in der Probezeit auch kündigen?

Ja, die 7-Tage-Frist gilt für beide Seiten. Dein Arbeitgeber braucht ebenfalls keinen Grund. Deshalb ist es umso wichtiger, dass du dir parallel Optionen offenhältst.

Habe ich Anspruch auf ein Arbeitszeugnis nach der Probezeit?

Ja, auch nach wenigen Wochen hast du Anspruch auf ein Arbeitszeugnis (Art. 330a OR). Bei sehr kurzer Anstellung wird es eher eine Arbeitsbestätigung sein — aber du hast das Recht darauf.

Was passiert mit meinen Ferientagen?

Nicht bezogene Ferientage werden anteilig ausbezahlt. Bei 2 Monaten Anstellung und 25 Ferientagen pro Jahr sind das rund 4 Tage, die dir als Lohn nachgezahlt werden.

Kann ich während der 7 Tage Kündigungsfrist schon woanders anfangen?

Nein. Während der Kündigungsfrist gilt dein Arbeitsvertrag noch. Du bist zur Arbeitsleistung verpflichtet, ausser dein Arbeitgeber stellt dich frei. Sprich: Frag aktiv nach einer Freistellung — viele Arbeitgeber gewähren sie in der Probezeit.

Soll ich zuerst das Gespräch mit meinem Vorgesetzten suchen?

Kommt drauf an. Wenn die Probleme lösbar sind (z.B. Dienstplan, Aufgabenbereich), ja — ein offenes Gespräch kann viel bewegen. Wenn sie strukturell sind (Personalmangel, toxische Kultur), bringt das Gespräch meist nichts ausser Frust. In jedem Fall: Sicher dir vorher Optionen. Mit einer Alternative in der Tasche verhandelst du aus einer Position der Stärke.