Voraussetzungen — was Sie haben müssen
- FMH-Facharzttitel (oder Anerkennung durch MEBEKO bei ausländischer Ausbildung)
- 3 Jahre nachgewiesene Praxistätigkeit in der Schweiz (gemäss KVG-Zulassung) — diese kantonale Hürde wurde 2022 verschärft und bleibt Standard.
- Berufsausübungsbewilligung des Kantons, in dem die Praxis liegt
- ZSR-Nummer (Zahlstellenregister-Nummer) für die Abrechnung mit Krankenkassen
- Haftpflichtversicherung mit ausreichender Deckungssumme (CHF 5-10 Mio. Standard)
Die 6 Schritte zur eigenen Praxis
- Schritt 1: Standortwahl & Marktanalyse (Monat 1-3)
Bedarfsanalyse für Ihre Fachrichtung in der Zielregion. Wie viele Kollegen gibt es bereits? Wie sieht die Demografie aus? Welche Versorgungslücken existieren? Gute Standorte sind oft periphere Regionen mit Ärztemangel — finanziell attraktiver als Zentrum.
- Schritt 2: Bewilligungen einholen (Monat 2-4)
Berufsausübungsbewilligung beim kantonalen Gesundheitsdepartement beantragen (Dauer 2-6 Wochen, Kosten je nach Kanton CHF 200-1'000). ZSR-Nummer bei SASIS/santésuisse beantragen (Dauer 2-4 Wochen, kostenpflichtig).
- Schritt 3: Räume und Geräte (Monat 3-6)
Praxisräume mieten oder kaufen. Faustregel: 60-100 m² für Einzelpraxis, 100-200 m² für Doppelpraxis. Medizintechnik je nach Fach (Allgemeinmedizin: einfach, Radiologie/ Gynäkologie: 6-stellig).
- Schritt 4: IT & Abrechnung (Monat 4-5)
Praxis-Software (Vitomed, Comatech, AeskuLink u.a.) — monatliche Kosten CHF 100-500 je nach System. Anschluss an TARMED-Abrechnung und elektronisches Patientendossier.
- Schritt 5: Versicherungen & Vorsorge (Monat 5-6)
Berufshaftpflicht (Pflicht), Praxisversicherung, BVG-Lösung, Krankentaggeld. Als Selbständige:r müssen Sie Ihre AHV/IV selbst regeln (Pflicht-Anmeldung bei AHV-Ausgleichskasse).
- Schritt 6: Eröffnung & Patientenakquise (Monat 6+)
Website, Google Business Profile, Zuweiser-Netzwerk aufbauen, Eröffnungsfest für Kollegen und potenzielle Zuweiser. Erste 6-12 Monate meist mit Unterauslastung — Finanzierung muss diese Phase überbrücken.
Realistisches Einkommen — was Sie verdienen können
Selbständige Ärzt:innen verdienen in der Schweiz im Mittel deutlich mehr als angestellte:
- Allgemeinmedizin/Hausarzt: CHF 250'000–400'000 brutto pro Jahr
- Innere Medizin: CHF 270'000–500'000
- Gynäkologie: CHF 280'000–550'000
- Dermatologie: CHF 280'000–500'000 (mit ästhetischer Sprechstunde mehr)
- Radiologie (mit eigenem MRT): CHF 400'000–800'000+
- Orthopädie/Chirurgie (mit Belegarzt-Funktion): CHF 350'000–700'000
- Augenheilkunde mit Operationen: CHF 350'000–600'000
- Psychiatrie (Praxis): CHF 180'000–280'000 (tendenziell tiefer als angestellt!)
Wichtig: Dies sind Bruttoeinkommen vor Praxiskosten. Nach Abzug von Personalkosten, Miete, Versicherungen, IT etc. bleibt typischerweise 50-70% übrig.
Investition — was es kostet
Einrichtungskosten je nach Fach:
- Allgemeinmedizin/Innere: CHF 100'000–300'000 (Einrichtung, IT, Geräte)
- Gynäkologie/Dermatologie: CHF 200'000–500'000
- Radiologie mit MRT/CT: CHF 1.5–4 Mio.
- Orthopädie mit OP-Möglichkeit: CHF 500'000–1.5 Mio.
- Plastische Chirurgie/Ästhetik: CHF 300'000–800'000
Finanzierung erfolgt typischerweise via Bankkredit (Geschäftskredit) — Schweizer Banken finanzieren Ärzte gut, weil das Berufsrisiko gering ist. Eigenkapital-Anteil: 20-30%.
Vor- und Nachteile gegenüber Anstellung
Vorteile
- • Höheres Einkommen (Mehr-Median 60%)
- • Volle Autonomie (Patienten, Zeit, Methoden)
- • Eigene Marke aufbauen
- • Steueroptimierung möglich
- • Praxisverkauf später wertvolles Asset
Nachteile / Risiken
- • Hohe Initialinvestition
- • Unternehmer-Risiko (Auslastung, Personal)
- • Bürokratie & Abrechnung
- • Keine bezahlten Ferien/Krankentage
- • AHV/Vorsorge selbst regeln
Stolperfallen — was oft schief geht
- Unterschätzte Anlaufzeit: Erste 6-12 Monate meist mit nur 50-70% Auslastung.
- Standort zu zentral: Hohe Mieten + Konkurrenz. Periphere Standorte oft profitabler.
- Falsche Software: Wechsel später teuer. Vorher Tests einplanen.
- Personal-Mismatch: Eine erfahrene MPA kann die Praxis machen oder brechen.
- Bewilligung verzögert: ZSR-Nummer-Beantragung früh starten — Verzögerungen kosten Monate.
Alternative: Partner in bestehender Praxis
Wer nicht von Null starten will: Einstieg als Partner in eine bestehende Praxis ist oft der risikoärmere Weg. Kosten typisch CHF 50'000–500'000 für den "Goodwill" (Patientenstamm-Übernahme). Wir kennen viele Ärzte, die Partner suchen — sprich uns an.
Praxis übernehmen statt aufbauen?
Wir kennen Ärzt:innen, die in den nächsten 1-3 Jahren ihre Praxis übergeben — oft an Nachfolger, die wir vermitteln. Schreib uns, in welcher Fachrichtung und Region du suchst.
Praxis-Übernahme besprechenFazit
Eine eigene Praxis ist finanziell und beruflich attraktiv, aber kein "Selbstläufer". Wer die Initial-Investition stemmt, einen passenden Standort findet und 12-18 Monate für den Aufbau einplant, kann seine Einkommen gegenüber dem angestellten Vergleichsprofil deutlich steigern. Wer das Risiko scheut, fährt mit einer Partner-Einstieg oder einer gut bezahlten Privatklinik-Anstellung (Honorar-Pool) ähnlich gut.