Die Kernzahlen
- 12'000+ zusätzliche Pflegefachpersonen werden bis 2030 benötigt
- 43% der Pflegenden verlassen den Beruf vor dem Rentenalter
- 300+ offene Stellen allein in der Deutschschweiz — Tendenz steigend
Die Ausgangslage: Warum fehlen so viele Pflegefachkräfte?
Die Schweiz steht vor einer der grössten Herausforderungen im Gesundheitswesen seit Jahrzehnten. Die Kombination aus demografischem Wandel, hoher Berufsausstiegsrate und steigender Nachfrage nach Pflegeleistungen führt zu einem akuten Fachkräftemangel.
Laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) werden bis 2030 in der Pflege rund 65'000 Fachpersonen zusätzlich benötigt. Selbst mit der Ausbildungsoffensive der Pflegeinitiative bleiben erhebliche Lücken — besonders in der Deutschschweiz.
Demografischer Wandel: Die Babyboomer gehen in Rente
Die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre erreichen das Rentenalter. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung. Das bedeutet: Mehr pflegebedürftige Menschen bei weniger verfügbaren Pflegekräften.
Prognose: Der Anteil der über 65-Jährigen steigt von 19% (2020) auf 26% (2040). Die Zahl der über 80-Jährigen verdoppelt sich nahezu.
Berufsausstieg: 43% verlassen den Beruf vorzeitig
Fast die Hälfte aller Pflegefachpersonen verlässt den Beruf vor dem Rentenalter. Die häufigsten Gründe:
- • Hohe Arbeitsbelastung — Unterbesetzung führt zu Überlastung
- • Unregelmässige Arbeitszeiten — Nacht-, Wochenend- und Feiertagsschichten
- • Emotionale Belastung — Dauerstress, Konfrontation mit Leid und Tod
- • Lohn-Leistungs-Verhältnis — viele empfinden das Gehalt als nicht angemessen
Regionale Unterschiede
Der Mangel trifft nicht alle Regionen gleich:
Grossstädte (Zürich, Basel, Bern)
Viele offene Stellen, aber auch viele Bewerber. Höhere Löhne gleichen die Lebenskosten aus. Universitätsspitäler sind attraktive Arbeitgeber.
Ländliche Regionen
Hier ist der Mangel am grössten. Spitäler und Heime in ländlichen Gebieten haben Mühe, Fachpersonal zu finden. Häufig wird auf Temporärpersonal zurückgegriffen.
Was bedeutet das für Pflegefachpersonen?
Gute Nachrichten für Arbeitnehmer
- Beste Verhandlungsposition seit Jahren — Arbeitgeber kämpfen um Fachkräfte
- Steigende Löhne — insbesondere in der Akutpflege und bei Spezialisierungen
- Mehr Wahlmöglichkeiten — Spital, Spitex, Altersheim, Temporär oder Festanstellung
- Bessere Arbeitsbedingungen — dank Pflegeinitiative und steigendem Druck
- Weiterbildung wird gefördert — Bund investiert 1 Mrd. CHF in Ausbildung
Pflegeinitiative: Was bringt sie?
Die 2021 angenommene Pflegeinitiative umfasst eine Ausbildungsoffensive (1 Mrd. CHF über 8 Jahre), bessere Arbeitsbedingungen und die Stärkung der Pflegeberufe. Die Umsetzung läuft — aber es wird Jahre dauern, bis die Massnahmen greifen.
Fazit: Jetzt ist der beste Zeitpunkt
Der Fachkräftemangel in der Pflege ist eine Realität — und wird es in den nächsten Jahren bleiben. Für Pflegefachpersonen bedeutet das: Sie haben die Wahl. Nutzen Sie Ihre starke Position für bessere Konditionen, spannendere Stellen und eine Karriere, die zu Ihrem Leben passt.