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Von der Akutpflege zur Spitex — ehrliche Bilanz nach 3 Jahren

Patricia (anonym)·Mai 2026· 3 Min Lesezeit
Pflegefachperson HFSpital / KlinikSpitex12 Jahre Berufserfahrung

Wo ich startete

Ich war 9 Jahre lang in der Akutpflege — Inselspital Bern, Innere Medizin. Erst toll, in den letzten 3 Jahren zunehmend ausgebrannt. Personalmangel, ständige Personal-Wechsel, die "Hektik" war nicht mehr "spannend", sondern erschöpfend. Mein Lohn 2023: CHF 6'500/Monat brutto plus Nachtzulagen ca. CHF 4'500/Jahr. Insgesamt zufrieden mit der Vergütung, aber ich wollte einfach nicht mehr.

Karriere-Stationen

  1. 2014-2017
    Dipl. Pflegefachperson HF Innere
    Inselspital Bern, 80%
    CHF 76'000 brutto/Jahr (100%)
  2. 2018-2020
    Dipl. Pflegefachperson HF Innere
    Inselspital Bern, 100%
    CHF 80'000 brutto/Jahr (100%)
  3. 2021-2023
    Dipl. Pflegefachperson HF Innere
    Inselspital Bern, 100% — zunehmend Burn-Out
    CHF 84'500 brutto/Jahr (100%)
  4. Ende 2023
    Auszeit
    4 Wochen unbezahlter Urlaub — kritisch wichtig
  5. seit 2024
    Pflegefachperson HF Spitex
    Spitex Bern, 90%
    CHF 88'400 brutto/Jahr (100%)

    💡 Eigene Touren, mehr Klient-Beziehung, weniger Hektik

Was passiert ist

Ende 2023 habe ich eine kurze Auszeit (4 Wochen unbezahlten Urlaub) genommen. In dieser Zeit habe ich mit ehemaligen Kolleginnen geredet die zur Spitex gewechselt sind. Die Erzählungen waren überraschend positiv: mehr Autonomie, andere Art von Stress, aber emotional weniger belastend.

Anfang 2024 habe ich bei der Spitex Bern angefangen. Wechsel war einfach: Bewerbung, 1 Gespräch, 1 Tag Schnuppern. Lohnerwartung wurde nach 2 Verhandlungen erfüllt: CHF 6'800/Monat brutto + ca. CHF 350/Monat Auto- und Spesen-Pauschale (ich nutze Spitex-Auto).

Was sich verändert hat:

Positiv: - Eigene Touren-Planung (mit Pikett-Backup) - 1-zu-1 Klienten-Beziehung — kein "anonymer Patient #12 in Zimmer 4" - Tagsüber, keine Nachtdienste mehr - Selbständigeres Arbeiten - Direkter Impact: du siehst Klient:innen über Monate, baust echte Beziehung auf

Negativ: - Einsamkeit — du fährst stundenlang alleine herum - Verantwortung — wenn was schiefgeht, bist du allein - Klient:innen die psychisch belastend sind (Demenz, Suizid-Gedanken, sozial isolierte ältere Menschen) - Im Winter: Glatteis + 80% Fahrtätigkeit ist ein Stressfaktor - Du musst gut planen können — die Touren erfordern Selbstorganisation

Lohn-Vergleich: nicht massiv mehr, aber qualitativ ganz andere Arbeit. Plus: kaum noch Wochenenddienste, kein Nachtdienst. Das ist mir heute wichtiger als +CHF 500/Monat im Akutspital.

Lohn-Entwicklung

2014 frische HF im Inselspital: CHF 5'800/Monat → 2023 vor Wechsel: CHF 6'500/Monat + CHF 4'500 Nachtzulagen/Jahr. 2024 Wechsel Spitex Bern: CHF 6'800/Monat + CHF 4'200/Jahr Auto-Pauschale. Gesamteinkommen ähnlich, aber qualitativ deutlich bessere Lebensbalance.

Vergleich mit Markt: Lohn-Datenbank Insider →

Was ich Nachfolger:innen rate

Vier Punkte falls du den gleichen Wechsel überlegst: 1. Erst eine echte Auszeit (4+ Wochen). Burn-Out-Symptome verschwinden nicht ohne Pause. Mach das ZUERST, bevor du den Wechsel entscheidest — sonst läufst du in der Spitex weiter mit den gleichen Mustern. 2. Mach 1-2 Schnupper-Tage. Spitex ist eine sehr andere Art von Pflege. Nicht jede:r passt dorthin. Schnuppertage zeigen schnell ob's für dich ist. 3. Lohn verhandeln, vor allem die Spesen. Auto, Smartphone, Material-Pauschale — das sind oft unverhandelt nur Pflichtleistungen. Mit etwas Verhandlung CHF 200-400/Monat zusätzlich drin. 4. Akzeptiere die Einsamkeit. Wer extrovertiert ist und Energie aus Team-Interaktion zieht, wird in der Spitex Probleme haben. Wer eher autonom arbeitet und Patienten-Beziehung schätzt, blüht auf.

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