Die Zahl sorgte in der Branche für Aufsehen: Die Mitglieder des Verbands Zürcher Krankenhäuser (VZK) kündigten an, künftig auf temporäres Pflegepersonal zu verzichten — mit der Begründung, Temporärkräfte kosteten die Institutionen das 1,5- bis 2-Fache einer Festangestellten. Allein im Kanton Zürich wurde das Sparpotenzial auf 10 bis 20 Millionen Franken geschätzt.
Doch was heisst das konkret für ein Pflegeheim oder eine Spitex-Organisation? Wir haben die Rechnung gemacht — transparent und mit allen Positionen, die in der Stundenabrechnung des Temporärbüros nicht auftauchen.
Die sichtbaren Kosten: der Stundensatz
Eine dipl. Pflegefachperson HF verdient in der Langzeitpflege je nach Kanton und Erfahrung rund 36 bis 42 Franken pro Stunde (Bruttolohn). Beim Temporärbüro bezahlen Sie für dieselbe Person typischerweise 55 bis 75 Franken pro Stunde — darin stecken der (meist höhere) Lohn der Temporärkraft, Sozialleistungen, die Marge des Verleihers und Zuschläge.
Rechnen wir das auf ein Pensum hoch: Eine 80%-Stelle entspricht rund 1'680 Arbeitsstunden pro Jahr.
| Position | Festanstellung | Temporär |
|---|---|---|
| Lohnkosten inkl. Sozialleistungen (80%-Pensum, dipl. HF) | ca. CHF 85'000–95'000 | – |
| Verleih-Stundensatz × 1'680 h | – | ca. CHF 92'000–126'000 |
| Differenz pro Jahr und Stelle | ca. CHF 15'000–40'000 |
Schon die sichtbare Differenz ist beachtlich. Aber sie ist nur die halbe Wahrheit.
Die unsichtbaren Kosten: was in keiner Abrechnung steht
1. Einarbeitung, die sich nie amortisiert. Jede Temporärkraft muss eingeführt werden — Dokumentationssystem, Abläufe, Bewohnende. Bei kurzen Einsätzen fällt dieser Aufwand immer wieder neu an und wird von Ihrem Stammteam geleistet, das dafür von der Pflege abgezogen wird.
2. Belastung des Stammteams. Temporäre übernehmen naturgemäss seltener Verantwortung für Bezugspersonenpflege, Nacht- und Wochenenddienste oder administrative Aufgaben. Diese Lasten konzentrieren sich auf Ihr Kernteam — genau bei den Menschen, die Sie am dringendsten halten müssen. Die Folge ist ein Teufelskreis: Überlastung im Stammteam erzeugt die nächste Kündigung, die nächste Lücke, den nächsten Temporäreinsatz.
3. Qualitäts- und Kontinuitätskosten. Wechselnde Gesichter bedeuten für Bewohnende und Angehörige einen spürbaren Qualitätsverlust — und für Sie ein höheres Fehlerrisiko in Übergaben und Dokumentation.
4. Der Lohn-Sog. Ihr Stammpersonal sieht, dass die Temporärkraft nebenan für dieselbe Arbeit mehr verdient und ihre Einsätze frei wählt. Jede Temporärkraft im Haus ist damit auch eine tägliche Abwerbe-Anzeige für Ihr eigenes Team.
Konservativ gerechnet addieren diese Faktoren nochmals 10'000 bis 30'000 Franken pro Jahr und Vollzeitäquivalent — von den nicht bezifferbaren Folgen für Teamkultur und Pflegequalität abgesehen.
Die Gesamtrechnung
| pro Jahr und Stelle (dipl. HF, 80%) | |
|---|---|
| Sichtbare Mehrkosten Verleih | CHF 15'000–40'000 |
| Unsichtbare Kosten (Einarbeitung, Teambelastung, Qualität) | CHF 10'000–30'000 |
| Gesamte Mehrkosten gegenüber Festanstellung | CHF 25'000–70'000 |
Das deckt sich mit den Erfahrungswerten der Zürcher Spitäler: Das Spital Uster bezifferte die Kosten einer Temporärkraft auf fast das Doppelte einer Festangestellten.
Warum trotzdem so viele Institutionen temporär arbeiten
Die ehrliche Antwort: weil die Alternative bisher fehlte. Wer eine dipl. Pflegefachperson fest anstellen will, wartet mit klassischen Inseraten oft Monate — über 8'600 Pflegestellen sind schweizweit ausgeschrieben, und die grosse Mehrheit der Pflegefachpersonen sucht gar nicht aktiv. Temporär ist teuer, aber verfügbar. Das ist keine Strategie, sondern ein Notausgang — und einer, der mit jedem Monat teurer wird.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht «Temporär oder nicht?», sondern: Wie kommen Sie schnell und planbar zu Festanstellungen, ohne für jede einzelne Stelle ein fünfstelliges Vermittlungshonorar zu bezahlen?
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NZZ und Tagesanzeiger zur VZK-Entscheidung; Verband Zürcher Krankenhäuser (Medienmitteilung); Stellenmarkt-Monitor UZH/Adecco (offene Stellen).
Alle Berechnungen: heroscout-Modellrechnung auf Basis branchenüblicher Löhne und Verleihsätze in der Deutschschweiz; individuelle Werte können abweichen.