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Weiterbildung 11 min Lesezeit

FaGe zu Pflegefachperson HF: Lohnt sich die Weiterbildung?

Jannick Oberbeck

Jannick Oberbeck

Head of Recruiting · heroscout

Als FaGe hast du eine solide Basis — aber der Sprung zur Dipl. Pflegefachperson HF öffnet ganz andere Türen: höherer Lohn, mehr Verantwortung, Leitungsfunktionen, Spezialisierungen in Intensivpflege oder Anästhesie. Die Frage ist: Lohnt sich die 2-3 Jahre Weiterbildung wirklich? In diesem Guide rechnen wir es durch — mit konkreten Zahlen aus der Praxis.

Schnellantwort: Ja, fast immer. Der Lohnunterschied zwischen FaGe (ca. CHF 73'000) und Pflegefachperson HF (ca. CHF 90'000) beträgt rund CHF 17'000/Jahr. Die 2-3 Jahre Weiterbildung amortisieren sich über die gesamte Berufslaufbahn um den Faktor 30-50×. Wer länger als 3-4 Jahre nach dem Abschluss als HF arbeitet, hat den zeitlichen und finanziellen Aufwand definitiv wieder drin.

Der grosse Vergleich: FaGe vs. Pflegefachperson HF

FaGe (Fachfrau/mann Gesundheit EFZ)

  • Ausbildung: 3 Jahre Lehre (Sekundarstufe II)
  • Lohn Einstieg: CHF 62'000 – 70'000
  • Lohn 5 Jahre: CHF 68'000 – 78'000
  • Lohn Senior: CHF 72'000 – 82'000
  • Aufgaben: Grundpflege, Vitalzeichen, Mobilisation, Mithilfe bei Behandlungen
  • Verantwortung: Ausführend unter Aufsicht
  • Leitungsrolle: Nicht möglich

Pflegefachperson HF/FH

  • Ausbildung: 3 Jahre HF oder 4 Jahre FH (Tertiärstufe)
  • Lohn Einstieg: CHF 75'000 – 85'000
  • Lohn 5 Jahre: CHF 82'000 – 98'000
  • Lohn Senior: CHF 90'000 – 108'000
  • Aufgaben: Pflegeprozess, Diagnostik, Patientenedukation, Fallführung
  • Verantwortung: Eigenverantwortlich & führend
  • Leitungsrolle: Stationsleitung, PDL, Kliniklaufbahn möglich

Der verkürzte Weg: HF-Ausbildung für FaGe

Wenn du FaGe EFZ bist, kannst du nicht nur die "normale" 3-jährige HF-Ausbildung machen — sondern häufig eine verkürzte 2-jährige Variante. Viele Höhere Fachschulen (z.B. BZ Pflege Bern, Careum Zürich, Careum Aarau) bieten ein sogenanntes "verkürztes Studium" an, bei dem deine bisherige Berufserfahrung und die FaGe-Ausbildung angerechnet werden.

Zulassungsvoraussetzungen (typisch)

  • FaGe EFZ (oder gleichwertige Ausbildung SRK-anerkannt)
  • Berufserfahrung: mindestens 1-2 Jahre nach FaGe-Abschluss (variiert je Schule)
  • Anstellung während der Ausbildung: Die meisten HF-Programme sind berufsbegleitend mit 60-80% Anstellung
  • Deutsch-Niveau: B2 schriftlich und mündlich
  • Aufnahmeverfahren: Bewerbungsgespräch, teilweise Eignungsabklärung

Wichtig: Die Zulassung hängt stark von der gewählten Schule und deiner Berufserfahrung ab. Grössere Spitäler bieten oft eigene Kooperationen mit Höheren Fachschulen an und unterstützen ihre FaGe aktiv dabei, die Weiterbildung zu absolvieren — das ist fast immer der günstigste Weg.

Die Kosten: Was kostet die Ausbildung wirklich?

Die HF-Ausbildung ist öffentlich subventioniert, aber nicht gratis. Hier die realistischen Kosten:

KostenpositionPro JahrGesamt (2 Jahre)
SchulgeldCHF 1'000 – 3'000CHF 2'000 – 6'000
Lehrmittel, Bücher, MaterialCHF 500 – 1'000CHF 1'000 – 2'000
PrüfungsgebührenCHF 500 – 1'200
ReisespesenCHF 500 – 2'000CHF 1'000 – 4'000
Total direkte KostenCHF 4'500 – 13'000

Dazu kommen die indirekten Kosten: Während der Ausbildung arbeitest du typischerweise nur 60-80% statt 100%, weil die Schule 1-2 Tage pro Woche stattfindet. Das bedeutet einen Lohnausfall von ca. CHF 15'000 – 20'000 pro Jahr. Aber: Viele Arbeitgeber (vor allem grössere Spitäler) zahlen einen Ausbildungsbeitrag oder übernehmen das Schulgeld komplett.

Tipp aus der Praxis: Universitätsspitäler (USZ, Insel, USB, CHUV, HUG) übernehmen für interne FaGe häufig das gesamte Schulgeld und stellen dich während der Schultage voll bezahlt frei. Auf diesen Vorteil sollten Arbeitnehmer bei Jobwechsel explizit verhandeln.

Die Rechnung: Lohnt sich der Sprung finanziell?

Schauen wir uns einen realistischen Fall an: Anna, 28 Jahre alt, FaGe seit 5 Jahren, aktueller Lohn CHF 73'000. Sie entscheidet sich für die verkürzte HF-Ausbildung mit 60% Anstellung während 2 Jahren.

Kostenrechnung über 10 Jahre

Investition während Ausbildung (2 Jahre 60%)-CHF 35'000
Direkte Kosten (Schulgeld, Material)-CHF 8'000
Arbeitgeber-Unterstützung (Schulgeld, Freistellung)+CHF 12'000
Nettokosten Ausbildung-CHF 31'000
Mehrlohn pro Jahr als HF (CHF 90'000 vs. CHF 73'000)+CHF 17'000
Mehrlohn über 8 Jahre nach Ausbildung+CHF 136'000
Netto-Gewinn nach 10 Jahren+CHF 105'000

Und das ist noch konservativ gerechnet. Nicht berücksichtigt sind: höhere Zulagen, Weiterentwicklung zur Stationsleitung (+CHF 20'000 bis 50'000 mehr), Spezialisierungen (Intensivpflege, Anästhesie +CHF 5'000 bis 10'000) und die deutlich besseren Karriereperspektiven. Über 30 Jahre Berufslaufbahn kumuliert sich der Unterschied auf mehr als eine halbe Million Franken.

Die nicht-finanziellen Aspekte

Geld ist nicht alles. Was du als HF im Vergleich zur FaGe noch bekommst:

  • Mehr Verantwortung: Du führst Pflegeprozesse eigenständig, triffst klinische Entscheidungen, bist Ansprechperson für Ärzte
  • Karriereleiter: Stationsleitung, PDL, Fachexperte Wundmanagement, Pain Nurse, Intensivpflege-Spezialistin, Lehrerrolle
  • Mehr Fachlichkeit: Pflegediagnostik, Evidence-based Nursing, Forschungszugang
  • Mehr Anerkennung: HF-Pflegefachpersonen werden in Teams anders wahrgenommen und haben gewichtigere Stimmen
  • Mehr Flexibilität: Als HF hast du Zugang zu allen Pflegebereichen — Intensiv, Psychiatrie, Akutpflege, Spitex, Beratung

Realitätscheck: Die HF-Ausbildung ist anspruchsvoll. Sie verlangt Theorie, Statistik, wissenschaftliches Arbeiten, Englisch, Diagnostik. Wer eher praktisch arbeiten mag und keine Führungsambitionen hat, ist als FaGe oft genauso glücklich — und hat früher Feierabend. Die Entscheidung ist also auch eine Frage der persönlichen Präferenz.

Die häufigsten Fragen vor der Entscheidung

Kann ich die HF-Ausbildung mit 40+ noch machen?

Ja, absolut. Viele HF-Pflegefachpersonen starten die Ausbildung mit 35, 40 oder sogar 50 Jahren. Die Schulen sehen Berufserfahrung als Vorteil, nicht als Nachteil. Die Refinanzierung lohnt sich selbst bei Ausbildung mit 45 — du hast danach noch 20 Jahre zum höheren Lohn.

HF oder FH — was ist besser?

Für die klinische Arbeit sind beide Wege gleichwertig. Die HF-Ausbildung ist praxisnäher und 3 Jahre kürzer (als verkürzte Version sogar 2 Jahre). Die FH-Ausbildung (BSc Pflege) ist akademischer und öffnet Türen zu Forschung, Lehre und Leitungspositionen in der Verwaltung. Für die meisten ist HF der richtige Weg — FH macht Sinn wenn du langfristig in Richtung APN (Advanced Practice Nurse), Management oder Hochschule willst.

Was wenn ich während der Ausbildung aufhöre?

Du behältst dein FaGe-Diplom — das ist unabhängig. Aber: Wenn du Geld vom Arbeitgeber für die Ausbildung bekommen hast, kann es Rückzahlungsregeln geben (typisch 2-3 Jahre Bindung nach Abschluss). Die Details musst du im Arbeitsvertrag nachlesen.

Weiterführende Artikel

Quellen

  • OdA Santé — Nationale Dach-Organisation der Arbeitswelt Gesundheit, Verantwortlich für Bildungsverordnung FaGe und HF Pflege · odasante.ch
  • BZ Pflege Bern — Grösste Höhere Fachschule Pflege der Schweiz · bzpflege.ch
  • Careum Bildung — Höhere Fachschule Pflege in Aarau/Zürich · careum.ch
  • Rahmenlehrplan Bildungsgang Pflege HF — Offizielle Curriculum-Vorgaben des SBFI · sbfi.admin.ch
  • SBK (Schweizer Berufsverband der Pflegefachpersonen) — Lohnempfehlungen und Karriere · sbk.ch
  • BFS Bildungsstatistik Gesundheitsberufe · bfs.admin.ch
  • heroscout Vermittlungsdaten — Lohnverläufe aus über 500 Vermittlungen im Schweizer Gesundheitswesen

Zulassungsbedingungen und Kosten variieren je nach Schule und Kanton. Aktuelle Informationen direkt bei der jeweiligen Höheren Fachschule einholen.