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Karriere 9 min Lesezeit

Quereinstieg in die Pflege Schweiz 2026: Der komplette Guide

Jannick Oberbeck

Jannick Oberbeck

Head of Recruiting · heroscout

Die Schweiz braucht bis 2030 rund 40'000 zusätzliche Pflegefachpersonen (Quelle: Obsan-Bericht Nationaler Versorgungsbericht 2024). Der Arbeitsmarkt ist so offen wie nie — und das bedeutet: Wer aus einem anderen Beruf in die Pflege wechseln will, hat gerade jetzt die besten Karten. Aber der Weg ist nicht trivial. Hier die ehrliche Übersicht aller Einstiegswege.

Kurzfassung: Es gibt 4 Wege in die Pflege: Pflegehelfer/in SRK (3 Monate), AGS EBA (2 Jahre), FaGe EFZ (3 Jahre, verkürzt möglich), Dipl. Pflegefachperson HF (3 Jahre). Je höher der Abschluss, desto höher der Lohn und die Verantwortung. Fast alle Wege sind finanzierbar durch Berufsbegleitung, Stipendien oder Arbeitgeber-Unterstützung.

Die 4 Wege in die Pflege

Weg 1: Pflegehelfer/in SRK (120 Stunden)

Der schnellste Einstieg — in 3-4 Monaten berufsbegleitend oder in 2-3 Wochen als Blockkurs. Der SRK-Lehrgang vermittelt die Grundlagen: Körperpflege, Mobilisation, Basis-Hygiene, Patientenbegleitung.

  • Dauer: 120 Stunden Theorie + 12 Tage Praktikum
  • Kosten: CHF 1'800 – 2'500 (variiert nach Kantonalverband)
  • Einstiegslohn: CHF 52'000 – 60'000/Jahr (100%)
  • Arbeitgeber: Alters- und Pflegeheime, Spitex, teilweise Spitäler als Unterstützungsfunktion
  • Aufgaben: Grundpflege, Betreuung, Unterstützung bei Alltagsaktivitäten

Weg 2: AGS EBA (Assistent/in Gesundheit und Soziales, 2 Jahre)

Die kürzere Grundbildung mit EBA (Eidg. Berufsattest) — ideal für Quereinsteiger die eine formalere Ausbildung wollen als Pflegehelfer, aber nicht die volle FaGe-Lehre machen möchten.

  • Dauer: 2 Jahre berufsbegleitend (50-80% Anstellung + Schule)
  • Voraussetzung: Obligatorische Schule abgeschlossen, mindestens 22 Jahre
  • Einstiegslohn nach Abschluss: CHF 55'000 – 62'000/Jahr
  • Perspektive: Kann verkürzt in die FaGe-Lehre übertreten

Weg 3: FaGe EFZ (verkürzte Nachholbildung für Erwachsene)

Für Erwachsene mit Berufserfahrung in einem anderen Beruf gibt es verkürzte Wege zur FaGe EFZ — typisch 2 Jahre statt 3. Diese Option heisst "Nachholbildung für Erwachsene" (Art. 32 BBV) und ist in fast allen Kantonen verfügbar.

  • Dauer: 2 Jahre berufsbegleitend (typisch 80% Anstellung)
  • Voraussetzung: Mindestens 22 Jahre, 5 Jahre Berufserfahrung (irgendein Bereich), Anstellung im Gesundheitswesen während der Ausbildung
  • Einstiegslohn: CHF 62'000 – 70'000/Jahr nach Abschluss
  • Perspektive: Vollwertige FaGe-Qualifikation, Zugang zur HF-Weiterbildung

Weg 4: Direkt Dipl. Pflegefachperson HF (3 Jahre)

Mit einer abgeschlossenen Maturität, einer anderen Berufslehre oder einer höheren Schulbildung kannst du direkt in die HF-Ausbildung Pflege einsteigen — ohne Umweg über FaGe.

  • Dauer: 3 Jahre Vollzeit oder 4 Jahre berufsbegleitend
  • Voraussetzung: Matura ODER Berufslehre EFZ (beliebig) + Eignungsabklärung
  • Einstiegslohn: CHF 75'000 – 85'000/Jahr nach Abschluss
  • Anbieter: Höhere Fachschulen (BZ Pflege Bern, Careum Zürich/Aarau, XUND Luzern)

Die Kostenrechnung: Was kostet der Wechsel?

AusbildungDauerDirekte KostenEinstiegslohn
Pflegehelfer/in SRK3-4 MonateCHF 2'000CHF 56'000
AGS EBA2 JahreCHF 3'000CHF 58'000
FaGe EFZ (Nachholbildung)2 JahreCHF 5'000CHF 66'000
Pflegefachperson HF3 JahreCHF 8'000CHF 80'000

Hinweis zur Finanzierung: Die meisten Arbeitgeber (besonders Spitäler und grössere Heime) übernehmen das Schulgeld komplett oder anteilig. Viele Kantone bieten zusätzlich Stipendien für Quereinsteiger im Gesundheitswesen. Wer während der Ausbildung arbeitet, bekommt zusätzlich einen Lehrlingslohn (FaGe EFZ) oder einen reduzierten Grundlohn (HF-Ausbildung).

Welcher Weg passt zu welchem Typ?

  • Du willst möglichst schnell in die Pflege einsteigen und ausprobieren, ob es zu dir passt? → Pflegehelfer/in SRK. In 3 Monaten kannst du anfangen zu arbeiten und Erfahrung sammeln.
  • Du willst eine formale Ausbildung, aber keine volle 3-Jahres-Lehre machen? → AGS EBA oder FaGe Nachholbildung. Beide bieten einen anerkannten Abschluss in 2 Jahren.
  • Du willst von Anfang an in die professionelle Pflege mit Verantwortung? → Dipl. Pflegefachperson HF direkt. Höherer Aufwand, aber höchster Lohn und beste Karriereperspektiven.

Die 3 häufigsten Fehler beim Quereinstieg

  1. Unrealistische Lohnerwartungen: Viele Quereinsteiger erwarten sofort einen Lohn auf ihrem alten Niveau. Besonders beim Einstieg als Pflegehelfer ist das unrealistisch — dafür hast du Perspektive nach oben.
  2. Falsche Arbeitgeberwahl: Ein Universitätsspital ist als Quereinsteiger oft der falsche Startpunkt. Alters- und Pflegeheime, Spitex-Organisationen und Reha-Kliniken sind offener für Quereinsteiger und haben bessere Einarbeitungsprogramme.
  3. Fehlende Schnupper-Erfahrung: Viele wechseln in die Pflege ohne je einen Tag im Pflegealltag verbracht zu haben. Ein 2-wöchiges Praktikum vor der Entscheidung verhindert teure Fehlentscheide.

Weiterführende Artikel

Quellen

  • Obsan Nationaler Versorgungsbericht 2024 — Schweizerisches Gesundheitsobservatorium · obsan.admin.ch
  • SRK Pflegehelferkurs — Offizielle Lehrgangsinformationen · redcross.ch
  • Berufsbildungsverordnung (BBV) Art. 32 — Nachholbildung für Erwachsene · fedlex.admin.ch
  • OdA Santé — Bildungsverordnung FaGe und AGS · odasante.ch
  • berufsberatung.ch — Offizielle Schweizer Informationsplattform zu Ausbildungen · berufsberatung.ch
  • heroscout Vermittlungsdaten — Erfahrungen aus der Vermittlung von Quereinsteigern

Stipendien und Lohnangaben variieren nach Kanton und Arbeitgeber. Aktuelle Informationen beim jeweiligen Anbieter oder kantonalen Berufsberatung einholen.