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Für Institutionen 6 min Lesezeit

Zürich und der Temporär-Ausstieg: Was wirklich geschah — und was Heime & Spitex daraus lernen müssen

Analyse für Heimleitungen, Spitex-Geschäftsleitungen und Trägerschaften

Jannick Oberbeck

Jannick Oberbeck

Co-Founder · heroscout

Selten hat eine Personalfrage die Branche so bewegt: Zürichs Spitäler wollten gemeinsam aus der Temporärarbeit aussteigen — dann kam die Wettbewerbskommission, dann ruderte der Verband zurück, und parallel setzte ein Gerichtsurteil der «Uberisierung» der Pflege Grenzen. Wer nur die Schlagzeile «Zürich steigt aus» kennt, kennt die halbe Geschichte. Hier ist die ganze — und was sie für die Langzeitpflege in der gesamten Deutschschweiz bedeutet.

Der Zeitstrahl

Ende 2024

Die Ankündigung

Der Verband Zürcher Krankenhäuser (VZK) kündigt an, seine Mitglieder verzichteten ab Sommer 2025 auf temporäres Pflegepersonal. Begründung: Temporärkräfte kosten das 1,5- bis 2-Fache einer Festanstellung; kantonsweites Sparpotenzial 10–20 Millionen Franken. Die Gesundheitsdirektion begrüsst den Schritt.

Anfang 2025

Die Gegenwehr

Temporärbranche und Betroffene wehren sich: Bei der Wettbewerbskommission (WEKO) geht eine Anzeige wegen Boykotts ein. Der VZK löscht die ursprüngliche Mitteilung und stellt klar, es habe nie einen gemeinsamen Beschluss gegeben — ein koordinierter Verzicht wäre kartellrechtlich heikel.

Ab Sommer 2025

Die stille Umsetzung

Was als Verbandsbeschluss nicht zulässig war, setzen einzelne Häuser individuell um: Temporärbudgets werden gekürzt, interne Springerpools aufgebaut, Festanstellungen aktiv beworben. Der Kostendruck bleibt — nur die Koordination ist vom Tisch.

Oktober 2025

Das Urteil

Das Zuger Obergericht entscheidet im Fall Careanesth: Echte Abruf-Einsätze ohne angemessene Pikettentschädigung (mindestens 10%) sind unzulässig. Die «Uberisierung» der Pflege — maximale Flexibilität auf dem Rücken der Einsatzkräfte — bekommt rechtliche Grenzen.

2026

Rechtskraft

Das Bundesgericht tritt auf die Beschwerde nicht ein — das Urteil ist rechtskräftig und wirkt als Massstab für die ganze Schweiz. Flexible Verleihmodelle werden teurer und aufwändiger; der Kostenvorteil von Temporärarbeit schrumpft weiter.

Was davon übrig bleibt — drei Fakten

1. Der Kostenbefund steht. Am Auslöser hat sich nichts geändert: Temporär kostet die Institutionen das 1,5- bis 2-Fache einer Festanstellung — pro Stelle und Jahr schnell CHF 25'000–70'000 Mehrkosten. Dass der koordinierte Ausstieg juristisch gestoppt wurde, macht die Rechnung nicht besser.

2. Der Umbau läuft trotzdem — nur leiser. Einzelne Häuser kürzen Temporärbudgets, bauen Springerpools auf und werben aktiv um Festanstellungen. Das ist der entscheidende Punkt für Heime und Spitex: Die Spitäler konkurrieren jetzt mit Ihnen um dieselben Pflegefachpersonen — mit Spital-Löhnen und Spital-Marketing.

3. Das Recht verteuert die Flexibilität. Das rechtskräftige Careanesth-Urteil verlangt Entschädigung für echte Abrufbereitschaft. Verleihmodelle, die von maximaler Flexibilität ohne Gegenleistung lebten, verlieren ihren Preisvorteil — Temporär wird eher teurer als billiger.

Die Konsequenz für die Langzeitpflege

Wenn Spitäler Festanstellungen aufbauen und Temporär rechtlich wie wirtschaftlich unter Druck gerät, verengt sich der Markt von zwei Seiten: Der Pool an verfügbaren Temporärkräften schrumpft, und die attraktivsten Fachpersonen werden von Akutspitälern mit fester Stelle abgeholt. Heime und Spitex-Organisationen, die weiter auf den «Notausgang Temporär» setzen, zahlen künftig mehr für weniger.

Die strategische Antwort ist dieselbe, die Zürichs Spitäler intern längst umsetzen: eine eigene, kontinuierliche Festanstellungs-Pipeline — bevor es die Konkurrenz tut. Genau dafür gibt es unser Recruiting-Abo für Heime & Spitex: authentischer Video-Auftritt, laufend geprüfte Kandidaten, Nachbesetzungsgarantie.

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Wie abhängig ist Ihre Institution von Temporärpersonal — und was würde der Umstieg auf eine Festanstellungs-Pipeline bringen? Wir rechnen es mit Ihren Zahlen durch. Unverbindlich.

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Quellen

Stand: Juli 2026. Einschätzungen zur Marktentwicklung: heroscout-Analyse.